Wie bestätigt sich ein Zusatznutzen für den Versorgungsalltag?

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Vor einer Marktzulassung muss ein Medikament eine intensive Prüfung auf seinen Zusatznutzen durchlaufen. Dieses umfangreiche Prüfverfahren fußt derzeit im Kern auf wissenschaftlichen Studien mit ausgewählten Probanden. Wie ein Zusatznutzen in der Realität aussieht, ist mitunter aber besser auf Basis von Versorgungsdaten der täglichen Praxis zu erfahren, als durch wissenschaftliche Studien. Daher ist die Frage, ob das aktuelle Prüfverfahren ein sinnvoller Ansatz für die urologische Patientenklientel und beispielhaft für die urologische Versorgungrealität ist. Oder gibt es andere, zielführendere Lösungen zur Feststellung eines Zusatznutzens? Darüber diskutierte der vom BvDU veranstaltete14. UrologieBeirat in einer Roundtable-Sitzung am 17. September in Hamburg.

Erste Krebsregistermeldungen mit UROgister im Oktober

Im Fokus standen hierbei die Aspekte von wissenschaftlicher Studie vs. Versorgungsforschung aus Sicht der Nutzenbewertung. In diesem Zusammenhang wurden auch die Potenziale der BvDU-Projekte „UROgister“ und „UROscience“ diskutiert. UROgister erlaubt Urologen, eine weitgehende Automatisierung bei der regelmäßigen Krebsregistermeldung, zu der sie gesetzlich verpflichtet sind. Die Implementierung von UROgister in Pilot-Praxen ist fertiggestellt, so dass die ersten Krebsregister-Meldungen im Oktober dieses Jahres erfolgen werden. Zur Umsetzung der Automatisierung wird in den teilnehmenden Praxen eine spezielle Software installiert, die auf alle Daten aus der Routinedokumentation der Arztpraxis zugreifen kann. Bereits über 70 urologische Praxen bundessweit haben die notwendige Software installiert. Aufgrund der Kombination von Rechtspflicht mit Strafandrohung, maximaler Vereinfachung der Prozesse bei der Meldung und automatischer Teilnahme an attraktiven Versorgungsforschungsprojekten rechnet der BvDU und sein Projektpartner, das Deutsche Institut für Fachärztliche Versorgungsforschung (DIFA), mit einem starken Wachstum der Teilnehmerzahl in den kommenden sechs bis zwölf Monaten.

UROscience-Datenbank in erfolgreicher Testphase

UROscience erlaubt die Auswertung der anonymisierten Daten aller teilnehmenden Praxen sowie aller dort seit 2010 behandelten Patienten. Konkret bedeutet dies: alle Dokumentationstypen (Diagnosen, Laborwerte, Verordnungen, Abrechnungsziffern etc.) über alle Zeitpunkte und Diagnosen. Der Test zur Auswertung dieser Datenbank läuft zurzeit sehr erfolgreich und ist eingebettet in erste wissenschaftliche Studien und Industrieprojekte. Das DIFA ist eine 100 %-ige Tochter des SpiFa e. V. Sobald die UROscience-Entwicklung mit dem BvDU in der ersten Phase abgeschlossen ist, wird das Projekt daher auf alle anderen Facharztgruppen ausgeweitet.

Urologische Versorgungsforschung qualitativ, quantitativ und zeitoptimiert sichern

Einig waren sich die Anwesenden, dass umfangreiche Daten aus dem Versorgungsalltag wichtige Grundlage für nachhaltigen Erfolg und Nutzen von Versorgungforschung aus der urologischen Praxis sind. Die Daten hierfür sollten optimal aus einer umfassend automatisierten Erfassung des Praxisalltags ermittelt werden. Nur so sei in qualitativer, quantitativer und zeitoptimierter Hinsicht urologische Versorgungsforschung zielführend. Mit UROgister und UROscience bietet der BvDU hierbei zukünftig vielversprechende Ansätze.

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